giovedì 11 giugno 2026

Reise, Reise VIII (Çanakkale - Istanbul - Tübingen)

So, fast geschafft - letzter ganzer Urlaubstag. Wir können unsere Koffer im Haus lassen und schlendern am Morgen noch einmal durch Çanakkale:


wir finden ein hübsches Café am Wasser


Wir fragen nach der Speisekarte, der Kellner gibt uns zu verstehen, dass sie keine Speisekarte haben, bittet uns aber zu warten und kommt dann mit einem Kollegen im Schlepptau zurück, den er uns dann als "Menu" vorstellt: er kann nämlich etwas Englisch. Wir bestellen Çay und Tertia bekommt ein türkisches Frühstück im Tübinger Mensa Gedächnis-Tablett - ist aber deutlich leckerer als früheres Mensa-Essen (ist ja auch nicht schwer) 


Hier sieht man schön zwei der großen Containerschiffe die wie an einer Schnur aufgefädelt in beiden Richtungen und im 5 Minuten-Takt durch die Meerenge fahren


Wir laufen weiter durch die Stadt und versuchen herauszufinden, wie wir zum otogar und unserem Überlandbus kommen. Irgendwie sind Bushaltestelle Mangelware. 


Dafür: the original trojan horse - ich habe den Film nie gesehen, vielleicht sollte ich ja mal


Ein Uhrenturm von 1896

(Falls es jemanden interessiert, hier ein interessanter Wikipedia-Artikel zu Uhrentürmen, und dass es in der Türkei eigentlich erst mit der Einführung der europäischen Zeiteinteilung diese Türme gibt - und das war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, teilweise bis 1912. Davor hatte man man den Tag und die Nacht in jeweils 12 gleich lange Stunden unterteilt. Im Sommer waren die Tagstunden sehr lang und Nachtstunden kurz und im Winter umgekehrt - und weil sich Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ja immer verschieben, musste man jeden Tag die Uhr neu stellen - wieder was gelernt)

Zurück nach Çanakkale, wo es nur vereinzelt verschleierte Frauen gibt und die Bierkästen und -Fässer vor den Kneipen auf ihren Austausch warten. 




Wir holen unsere Koffer ab und machen uns auf die Suche nach einem Bus zum otogar. Wir sind aber eher erfolglos, immerhin gelingt es mir, die "Stadtwerke" oder so ähnlich Inernetseite mit den Buslinien ins deutsche zu übersetzten und weiß ich, dass wir den Bus C9 suchen müssen. Es gibt aber keinen Plan, wo die Busse abfahren ... nur den Namen der Anfanghaltestelle und die findet dann aber google maps nicht und eine Übersetzung hilft uns auch nicht (also nicht, dass es HAFEN oder UNIVERSITÄT wäre). 

Wir finden ein Büro unseres Busunternehmens und lassen uns erklären (auf türkisch bzw. mit Handy-Übersetzung), wo wir den Bus raus zum otogar finden. Gerade aus, über die Ampel, dann rechts und gegenüber dem Krankenhaus. Es gibt aber keine Ampel und ein Krankenhaus finden wir auch nicht. Während miomarito und Tertia noch mal eine Kleinigkeit essen und trinken, mache ich mich zu Fuß auf den Weg zu unserem Ankufts-Ausstiegsort. Da ist aber auch keine Bushaltestelle. Ich verfolge - falsche - Busse, um eine Idee zu bekommen, wie das Bussystem hier funktioniert (das gleiche mach miomarito von seinem Café.Platz an einer großen Straße auch). Ich stehe an der großen Schule, an der wir auch ausgestiegen sind und fange an, Leute zu fragen, ob sie mir die Haltestelle des Bus zum otogar, der C9, zeigen können - es spricht nur niemand Englisch und die Handys übersetzen nur Müll. Irgendwann gebe ich auf, gehe zu Tertia und miomarito zurück, die vom Besitzer des Cafés eine Beschreibung erhalten haben - die dann auch nicht stimmt (oder wir sind einfach zu blöde). Jedenfalls geben wir auf und winken ein Taxi herbei. Nicht ohne dass ich verkünde, dass ich leider noch einmal nach Çanakkale muss, um diese blöde Bushaltestelle zu finden. Also echt! 

Am otogar treffen wir auf den größten Kater, den ich je gesehen habe:



und müssen natürlich auf unseren Bus warten und deshalb noch mal Çay trinken
Wir werden außerdem von einem nicht so wirklich Uniform tragenden Mann nach unseren Ausweisen gefragt und diese werden dann kontrolliert. Miomarito fragt ihn, ob er Polizei sei (fand das mutig) und er meint, jaja, und verschwindet dann immerhin in das Büro der Jandarma.


Wir fahren gemütlich in einem noch neueren Bus wieder zurück nach Istanbuls (wieder mit Eis!)


Allerdings werden wir auch einmal von der Polizei angehalten und der ganze Bus kontrolliert - keine Ahnung warum


Hier die Brücke über die Dardanellen in voller Größe 


Hier günstiges Benzin direkt aus Russland 


und wie man hier schön erkennen kann, sind eben auch die Autobahnen etwas überdimensioniert. Klar, kurz vor Istanbul werden die dann voller, aber auf der Strecke davor ... sind wir meist das einzige Fahrzeug weit und breit 


Istanbul im Abendlicht 


wir kommen wieder am Busbahnhof an 

Wir hatten uns von Çanakkale aus ein Hotelzimmer für die letzte Nacht in Istanbul reservieren wollen, mussten dann aber feststellen, das booking.com in der Türkei nicht funktioniert. Also wurde ich etwas nervös, aber es fand sich dann etwas über Airbnb. Miomarito hatte sich einen Plan überlegt und das Hotelzimmer so ausgesucht, dass wir a) am Abend noch gut hinkommen würden und es b) am nächsten Morgen noch schaffen würden, schnell in die Altstadt zu fahren, um dort den jetzt wieder geöffneten Großen Bazar zu besuchen und c) dann zurück zum Hotel (12 Uhr) und noch rechtzeitig zum Flughafen zu kommen. 


der Teil von Istanbul, in dem wir heute übernachte, ist definitiv Großstadt


unser Hotelzimmer fast eine Wohnung und sehr chic, aber leider brauchen wir das ja gar nicht


wir springen schnell noch mal raus und finden ein Fastfood-Döner-Restaurant, wo wir noch etwas zu essen bekommen (um 22 Uhr ist aber Schluß, der Laden macht zu), dann heißt es ab ins Bett. Der Zeitplan für morgen ist anspruchsvoll.


Ein bisschen Genua-Feeling am Morgen


Ansonsten ein Hauch von New York City, alle hetzen zur Arbeit, ein Wahnsinns-Verkehr, die Metro spuckt immer neue Massen an Menschen aus, die gelben Taxis tun ihr übriges 

Wir fahren aber schnell, schnell wieder ins Zentrum:


Tertia entdeckt allerdings einen Tost-Automaten in der Metro muss muss unbedingt ausprobieren, wie ein Döner-Toast schmeckt: 



(war gut)

wir sind deutlich vor 10 Uhr am Bazar und haben jetzt ca. 1,5 Stunde


ich bin zunächst etwas enttäuscht bzw. sehe meine eh nicht hohen Erwartungen bestätigt, nämlich, dass hier nur weiterer Ramsch verkauft wird. 



Miomarito war hier vor 25 Jahren gewesen und meint, dass alles völlig anders war, Holzverschläge, die Läden mit vielen Teppichen ausgelegt, Männer, die einem am Ärmel zum Çay trinken in den hinteren Laden zogen usw. Leide habe ich auch die Schnelle keine Bilder davon gefunden, wie der Bazar früher aussah.   


(Hier aber eine kleiner überraschender Blick zurück in die Vergangenheit - keine Ahnung, warum das da auf Deutsch steht)


Und es gibt tatsächlich schöne Teppiche, schönen Schmuck (neben ganz, ganz schlimmem Zeug) und schöne Schüsseln, Teller und Fliesen: 


Der Bazar ist wirklich groß, langsam füllte er sich auch mit Touristen, als wir kamen, war man gerade erst beim Öffnen und wir müssen wieder in Richtung Hotel los.


Ein letzter Blick auf die Stadt und das Goldene Horn:




von der Metro-Station auf der Brücke


Schnell zum Hotel, um unsere Koffer abzuholen (genau 12 Uhr, perfekt), mit der ersten Metro weiter und dann eigentlich mit der nächsten Metro zum Flughafen, der immerhin 40 km außerhalb von Istanbul liegt. Dummerweise haben wir unsere Instanbulkart am Morgen im Hotelzimmer liegen lassen. Da waren nicht mehr viele Fahrten drauf und man kann die Metro, die Tram, die Busse und Fähren, das wussten wir ja inzwischen, auch direkt mit der Kreditkarte bezahlen. Was wir nicht wussten, dass die Metro zum Flughafen gar keine Metro ist sondern ein Zug von der türkischen Bahn. Sieht zwar aus wie eine Metro, wird auch so angeschrieben, aber man kann sie eben NICHT mit Kreditkarte bezahlen. Dazu kam, dass sich unsere Umstiegs-Station über mehrere Quadratkilometer erstreckte und wir mindestens 15 min zu Fuß unterwegs waren, um zur zweiten Metro zu kommen. Wir waren also spät dran, dann ging das mit der Kreditkarte nicht, dann wollten wir uns noch mal eine Istanbulkart kaufen, was auch nicht klappte und am Ende half uns ein Typ von der Metro, eine Karte von der türkischen Bahn zu kaufen und aufzuladen - meine Nerven. Unsere Metro (sie fährt nicht so oft) war natürlich weg.

Aber, der Istanbuler Flughafen (der nach Passagieraufkommen größte Europas) ist nigelnagelneu und genauso überdimensioniert wie die neuen Autobahnen, sprich, selbst wenn nur die Hälfte aller Check-In-Dinger (online einchecken ging nämlich auch nicht) oder Passport-Kontroll-Häuschen usw. besetzt sind, muss man trotzdem nirgends groß anstehen. Tertia bekommt noch ihr Trockenshampoo abgenommen, das sie in ihrem Handgepäck vergessen hatte, und das war es dann auch mit der Aufregung.




So, ein letzter Blick aus dem Flugzeugfenster und ein etwas ruckelnder (aber nicht schlimm) Flug nach Haus (also Stuttgart, dann Bus und Bus) 


Ich habe jetzt ein paar Tage gebraucht, um mich von dem Programm zu erholen, aber toll war's, interessant, viel neues gesehen, das mit Troja und dem Hellespont hat mich überraschend glücklich gemacht und auch wenn Istanbul eine wirklich faszinierende Stadt ist, ich glaube nicht, dass ich da unbedingt noch einmal hin muss. Aber nach Çanakkale, die Bushaltestelle finden!!

Und, da Tertia nächste Pfingstferien mit ihrer Freundin und deren Familie nach Barcelona in Urlaub fährt, können miomarito und ich zwei Wochen mit noch mehr Kultur und Geschichte planen (Burgund? Südspanien? (so zum Ausgleich) oder doch was ganz anderes?!) 

mercoledì 10 giugno 2026

Reise, Reise VII (Çanakkale - Troja - Güzelyalı)

Nicht mehr der Blick über Istanbul am Morgen, aber auch ganz nett - der Nicht-blick auf unsere Terrasse, auf der wir aber aus Zeitmangel eh nie waren. 


Auf nach Troja! Wir machen uns also auf zur "Bushaltestelle" unter der Brücke, Çanakkale ist wirklich hübsch, man kann sich vorstellen, dass hier im Sommer viel los ist.


Wir kommen bei den dolmuş - nein Plural ist wohl dolmuşlar ... okay ... -  an und müssen erst einmal feststellen, dass wir zwar gestern so schlau waren, zu checken, ob hier die Busse abfahren, aber nicht wann ... irgendwie dachte ich, da wollen bestimmt viele Leute nach Troja (ich meine TROJA!) aber nee ... eher nicht so. Also müssen wir erst einmal warten - können dann deshalb aber auch noch mal in Ruhe Wasser, Simit und Käse einkaufen. 


Einer der ca. 10 Mini-Busse fährt nach Troja und zwar in großzügigen Abständen von zwei Stunden


(die angegebene Internetseite gibt es übrigens nicht)


Tertia und miomarito spielen ein landestypisches Spiel
(eigentlich hatte sie in der Unterkunft in Istanbuls vor, immer in "echt" Backgammon zu spielen, das dort auslag, aber dann fehlte immer die Zeit)

Irgendwann setzten wir uns dann in den Bus, der sich langsam füllte, natürlich nur mit Einheimischen und wir brachen irgendwann so ungefähr zur Abfahrtszeit in Richtung Troja auf. Der Bus hielt ziemlich oft und so waren wir fast eine Stunde unterwegs. 


Vorne beim Fahrer waren die Preise für die Fahrt angeschrieben, ich kam mir inzwischen wirklich wie bei Interrail vor 30 Jahren vor als ich in Griechenland unterwegs war - weil alles ähnlich wage, ich der Sprache nicht mächtig und immer die Hoffnung behalten, dass man im richtigen Bus/Zug zur richtigen historischen Stätte unterwegs ist. 


Der Fahrer lässt uns direkt am Eingang zum Museum - und wie wir dachte Ausgrabungsstätte - raus 


ja, overtourism scheint hier kein so Problem zu sein


Man merkt gleich, dass Troja doch lange "in deutscher (Ausgrabungs)Hand" war


Da ist das neue Museum 

Wir folgen den Schildern zur Ausgrabungsstätte:


und stehen am Ende vor einem geschlossenen, aber Video überwachten Tor, das aber auch nur zu einer Straße führt. Also laufen wir wieder zurück, Tertia muss auf die Toilette, am Eingangshäuschen sind aber die Toiletten abgeschlossen, im Museum will man sie nicht auf die Toilette lassen, es sei denn, sie zahlt 27 € Eintritt (ich spüre schon wieder Topkapi-Vibes).


Also ziehen wir weiter, laufen um alles herum und spontan gefühlt möchte man Kolb recht geben, dass Troja kein großer Handelsknoten gewesen sein kann. Es fehlen eigentlich nur noch die wie beim Western durchs Bild wehenden "Tumbleweeds" ...


nur noch 500 m bis Troja (und ich dachte, die Heimfahrt sei das Problem ;-))

Aber wir schaffen es dann aber doch, es ist hier kein Mensch unterwegs (wodurch sich Tertias Toiletten-Problem auch zügig lösen lässt) und am Ende kommen wir tatsächlich bei den Ausgrabungen an - und müssen natürlich trotzdem 27€ zahlen. Ich dachte erst es wären 2700lira, was wieder über 50€ gewesen wären, aber nein "nur" 27 Euro. 


Ich war wirklich ergriffen, in Troja (oder was auch immer) zu sein, ich hätte nie gedacht, dass ich da mal hinkomme. (Ich bin auch ganz begeistert vom tief dunkelroten Mohn, bei uns ist der ja eher orange und ausgewaschen)


Troja ist ja für Tübinger noch mal etwas "extra" besonderes, weil hier die Uni jahrzehntelang gegraben hat und es zu unserer Studienzeit die große Tübinger Troja-Debatte gegeben hat. Auf der einen Seite der damals in Troja grabende Archäologie-Prof Korfmann und auf der anderen Seite "unser" Althistoriker Kolb (mehr dazu hier). Außerdem hat miomarito früher zu Studiumszeiten mit dem späteren türkischen Professor, der dann in den 2010er Jahren die Ausgrabungen übernommen hat, Fußball gespielt :-). Im Moment wird übrigens nicht ausgegraben.



Deshalb amüsieren wir uns auch sehr über die Zeichnungen auf den Schildern, die eindeutig den Korfmann-Schule folgen (große Unterstadt)


Hier schaut man auf die Eben hinaus und vermutlich war da früher mal Meer 


3000 Jahre alte Backsteinmauer


Hier der sogenannte Schliemann-Graben

Um möglichst schnell zum homerischen Troja vorzudringen, liess Schliemann damals einen 40 Meter langen 20 Meter breiten und 17 Meter tiefen Graben quer durch alles durch graben und der Aushub wurde einfach irgendwohin geschmissen (er war halt kein Archäologe).

Das ist die berühmte Rampe von Troja, sie stammt aus der frühbronzezeitlichen Schicht Troja II (ca. 2500–2200 v. Chr.) , wurde von Schliemann ausgegraben und dann ein bisschen verbessert (wird immerhin brav angegeben - eigentlich sah sie so aus). Die über 5 Meter breite Rampe führte durch ein Tor in die Stadt hinein. Links davon hat Schliemann damals den "Schatz des Priamos" gefunden. 


Sie können sich vielleicht die Begeisterung unserer 15jährigen Tochter angesichts all dieser historischen Sehenswürdigkeiten vorstellen ... und deshalb war dann auch nach zwei Stunden wirklich Schluß. 




Hier übrigens das trojanische Pferd, das Kunstwerk eines - ich glaube - japanischen Künstlers, was in den Rezessionen zu Troja zur großen Kritik führt, weil es nicht das original trojanische Pferd sei (WTF?!) - es hat etwas gedauert bis ich kapiert habe, dass diese Touristen das Original-Pferd aus dem FILM Troja (mit Brad Pitt) sehen wollten ... muss man auch erst mal drauf kommen. 

Wir springen dann noch schnell zum Museum, da ist wie gesagt ganz neu, sehr modern und zumindest auf den ersten Blick sehr gut gemacht, aber leider haben wir nicht viel Zeit, der Bus zurück bzw. ans Meer fährt nur alle 2 Stunden und das Kind hat auch keine Lust mehr - außerdem würde es dann wirklich schwierig mit Strand.



Die meisten Sachen, die im Museum gezeigt werden sind aus der Umgebung, nicht aus Troja selbst. Der "Schatz des Priamos" ist ja in Moskau, die Kopien in Berlin und ein paar Sachen sind auch in Tübingen.  


Der Sarkophag von Altıkulaç, ist 4. Jahrhundert v. Chr., persisch, wurde hier irgendwo in der Nähe gefunden, also nicht wirklich Troja, aber hübsch 



Diese Webstuhl-Gewichte zum Beispiel gibt es auch in Tübingen ... nur nicht so hübsch präsentiert
(also die Sachen, die wir haben, sind "so toll", dass sie wohl nicht einmal zurückgefordert werden)

Tübinger im Museum schauen sich Tübinger im Museum an 



So, jetzt aber zum Spaß-Programm des Tages, wir steigen wieder in den dolmuş (der ewig nicht kommt und ich einen halben Nervenzusammenbruch habe, weil der kommt vielleicht gar nicht mehr oder fährt wo anders ab - es gibt ja keine Fahrpläne/Haltestellen, nur diese Schild in Çanakkale, das ich natürlich abfotografiert habe, aber meinte das die Abfahrtszeit hier am Museum?!) 


Wir fahren mit offener Tür - solange wir innerorts sind - lustigerweise hat mir mein Vater aus Berlin (!), wo meine Eltern waren, quasi das gleiche Bild geschickt, weil er doch etwas irritiert war, dass mit offener Bustür gefahren wurde und von mir wissen wollte, ob es das in der Türkei auch gäbe - Ja, gibt es - keine Ahnung, was das jetzt über Berlin sagt ;-)
Tertia hatte einen neuen Strand gefunden, ich wusste auch, dass in Güzelyalı die Strände besser werden - ist eben keine große Stadt - und wir erklären (wobei erklären ja immer so eine Sache ist, wenn man keine gemeinsame Sprache hat) also wir erklären dem Busfahrer, dass wir in Güzelyalı aussteigen wollen, müssen dann aber erkennen, dass man uns eben an der Schnellstraße am Stadtrand rauslässt - nein, das war eigentlich klar, weil man eben auf der Schnell/Landstraße nach Troja fährt. Da es aber ein Städtchen ist, müssen wir nicht allzu lange zum Strand laufen: 


Und der Strand sieht super aus: 


Wir müssen aber erst einmal was essen und kehren beim einzigen Lokal am Strand ein. Die Preise sind wieder vergleichsweise happig, aber der Platz so nett und dann das Essen auch sensationell gut - ich habe eine Salat mit Grillgemüse und Käse und er ist perfekt (und groß) - leider habe ich irgendwie kein Foto gemacht, das Essen wurde sogar hübsch serviert. 





Direkt am Strand müssen wir dann leider erkennen, dass der Strand zwar relativ sauber ist, das Meer aber weiterhin voller Quallen. Miomarito bestimmt die Quallen und neben völlig harmlosen gibt es eben auch viele Kompassquallen - und die tun weh. Es ist aber trotzdem schön und wir genießen die Auszeit von Kultur und Herumgelaufe. 

Außerdem ist das hier ja der Hellespont/ die Dardanellen ... hier wurde Achill nach seinem Tode im Meer bestattet (ohne Datierung ;-)) ... Hero und Leander spielt hier, der Perserkönig Xerxes I. setzte hier im zweiten Perser-Krieg angeblich mit einer Brücke aus Schiffen über die Meerenge, die Athener verloren hier die Schlacht bei Aigospotamoi und verloren damit den Peloponnesische Krieg, Alexander der Große setzte hier auch übers den Hellespont usw. bis 1915 zur Schlacht von Gallipoli, bei der  - hauptsächlich - Engländer und Franzosen vergeblich versuchten, die Meerenge zu erobern (deshalb heisst die Brücke über die Dardanellen/Hellespont auch Çanakkale-1915-Brücke, der Sieg ist für die Türken sehr wichtig) Über 100 000 Tote ... relativ viele Australier, man kann hier auch reines 1. Weltkrieg "Sightseeing" machen, Marine Museum, Soldatenfriedhöfe, aber wir halten uns an die verklärte Antike. Ach und Lord Byron schwamm angeblich auf die andere Seite, der Spinner. 



Heute kann man Tanker beobachten, die fahren nach Istanbuls und/oder weiter nach Rumänien oder Bulgarien oder Russland ...



Es wird langsam Abend, wir packen unsere Sachen und überlegen uns, wie wir jetzt nach Hause kommen ... weil: nachschauen kann man ja nirgends. Also laufen wir zu so etwas wie der Hauptstraße und halten Ausschau nach einer Bushaltestelle - wir haben in sofern Glück, dass es eine klar erkennbare Bushaltestelle gibt. Nur keinen Fahrplan, also warten wir ab - zusammen mit einer netten Katze - was sonst ;-) - wird schon irgendwann ein Bus kommen.


Irgendwann kommt ein Bus, der Fahrer nickt bei Çanakkale und so gondeln wir fast eine Stunde an der Küste entlang nach - immerhin - Çanakkale



"Zu Hause" angekommen gehen wir noch einkaufen und ... Katzen streicheln! Babykatzen! Wir kommen mit eine Ladenbesitzerin "ins Gespräch", die uns daraufhin weist, was miomarito auch schon bemerkt hatte, dass die Katzenmutter blind ist und "erzählt" uns, dass der Vater sich mit um den Nachwuchs kümmern würde. Und dass es allen gut gehen würde. ich kontrolliere wieder Tertias Handtasche ;-)


(Man sieht es nicht, aber die Katzen hatten einen Berg Fisch zu Abendessen bekommen)


Abschluss des Abends: Kazandibi - so etwas wie Leche fritta auf türkisch - sehr lecker